Offshore Tauglichkeitsuntersuchung: Die wichtigsten nationalen Richtlinien und Standards

AWMF, NOG, NOGEPA oder OGUK? Wer seine Tauglichkeit für einen Offshore-Arbeitsplatz in der Nordsee auf den Prüfstand stellen muss, sollte vorab genau wissen, nach welcher nationalen Richtlinie die Eignung geprüft werden muss.

Die physischen und psychischen Anforderungen an Mitarbeitern auf Offshore-Windenergieanlagen und Umspannplattformen in der Nord- und Ostsee sind sehr hoch. Körperliche anstrengende Arbeit in großen Höhen mitten auf dem Meer, im Schichtdienst und fernab von Freunden und Familien stellt eine besondere Herausforderung an die eigene Belastbarkeit dar. Zum Arbeitsschutz gehört daher auch eine regelmäßige Offshore-Tauglichkeitsprüfung, in Deutschland ebenso wie in anderen Staaten.

Deutsche Leitlinie AWMF wird bisher nur durch die NOGEPA anerkannt

Hierzulande wurde mit der AWMF-S1-Leitlinie „Arbeitsmedizinische Eignungsuntersuchung für Arbeitnehmer auf Offshore-Windenergieanlagen und anderen Offshore-Installationen“ (früher: DGMM-Empfehlung) ein Regelwerk geschaffen, das den arbeitsmedizinischen Untersuchungsumfang von Arbeitnehmern auf Offshore-Anlagen regelt. Die AWMF-Leitlinie hat lediglich Empfehlungscharakter und wird international nicht in jedem Fall anerkannt. Seit 2016 wird sie immerhin von der niederländischen Öl- und Gas-Industrie (NOGEPA) akzeptiert. Eine bessere internationale Akzeptanz des deutschen Untersuchungsstandards wird angestrebt. Derzeit erkennen Großbritannien und Norwegen die AWMF-Leitlinie nicht an.

In Großbritannien, den Niederlanden und Norwegen sind Arbeitsplätze auf dem offenen Meer durch die Öl- und Gasförderung schon länger verbreitet als in Deutschland, die dortigen Leitlinien und Standards für die Tauglichkeitsuntersuchung sind entsprechend etablierter. Und wichtig zu wissen: Die Untersuchungszertifikate dieser drei Länder werden durch das „Hardanger Agreement“ gegenseitig anerkannt. Einige Betreiber bestehen aber trotzdem auf einem bestimmten Zertifikat, daher ist es wichtig, sich immer beim Auftraggeber zu erkundigen, welche Bescheinigung gebraucht wird.

Norwegen, Großbritannien und Niederlande: gegenseitige Anerkennung der Offshore-Zertifikate

Norwegen ist der einzige Nordseeanrainer, dessen Offshore-Zertifikat (NOG) auf staatlichen Regelungen basiert. Sowohl das OGUK-Zertifikat in Großbritannien als auch das NOGEPA-Zertifikat aus den Niederlanden sind privatwirtschaftlichen Ursprungs.

Für zukünftige Offshore-Mitarbeiter ist die Frage nach welcher nationalen Leitlinie untersucht wird, relevant. Bitte informieren Sie sich vorab, welches Zertifikat Ihr Arbeitgeber braucht. In unserer Praxis können wir Tauglichkeitsuntersuchungen nach den gängigen Standards AWMF, NOG, NOGEPA und OGUK durchführen. Gerne helfen wir Ihnen weiter, wenn Sie noch Fragen zu den verschiedenen Leitlinien haben.

Bild: HHakim/istockphoto

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